Bwoom-Japan
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Die heimische Waldkiefer / Föhre / Scott's Pine als Bonsai
(Pinus sylvestris):

Steckbrief der Waldkiefer: Die Föhre gehört zu den immergrünen, großen Koniferen und ist in Deutschland einer der charakteristischsten Forstbäume. Sie gedeiht als Pioniergehölz naturgemäss gut auf mageren Standorten, auch in Sand- und Kiesgruben, daher forstwirtschaftlich in großer Anzahl auf sandigen Böden kultiviert, man findet sie aber auch auch in trockenen Bereichen an Südhängen und sogar gelegentlich auf besonnten Felsen aufwachsend. 
Die Föhre ist ein recht anspruchsloser Lichtbaum der seine Vorteile in sonnigen Lagen voll ausspielen kann, der jedoch auf fruchtbareren Böden gegenüber der Buche und anderen anspruchsvolleren Baumarten ins Hintertreffen gerät da diese sich dann oft starkwüchsiger zeigen und durch zunehmende Beschattung die Kiefern dann zurückdrängen. Dies heißt aber nicht, dass ein sehr mageres, trockenes Habitat grundlegende Voraussetzung ist, denn auch auf besseren Böden zeigt die Föhre sehr gute Ergebnisse sofern kein Konkurrenzdruck besteht, dies ist z. B. an Standorten in Parks sowie in Gärten gegeben wenn regelmäßig freigestellt wird. 
Als forstwirtschaftlich kultivierter Baum stellt sich die Föhre in ihrer Jugend oft recht eintönig, geradezu langweilig dar, ältere Forstabschnitte hingegen bringen, meist in Randlage, gelegentlich einige ansatzweise charakterstarke Exemplare hervor. Das wahre Potential der Waldkiefer zeigt sich jedoch erst mit weiterer Entwicklung, etwa nach 150 Jahren und weit darüber hinaus (die Föhre kann ein Alter von über 600 Jahren erreichen), leider gibt es nur einige wenige Bäume in Nationalparks oder in Feldlagen und alten Parks die dann ihre enorme Ästhetik durch ein kraftvolles, geradezu märchenhaft-majestätisches Aussehen mit meterdickem Stamm und weit ausladender Krone zeigen. 
Als Bonsai ist zum Erreichen dieses Altersausdrucks allerding deutlich weniger Zeit notwendig: Der sogenannte Bonsai-Effekt, bedingt durch die drastische Verkleinerung, kann durchaus schon bei wenigen Jahrzehnten alten Exemplaren diesen Eindruck erwecken. Bei schlanken Literatenformen und kleinformatigen Shohin kann dieser reife Ausdruck sogar schon deutlich früher erscheinen, etwa bereits nach 15-20 Jahren da die Waldkiefer oft schon als zehnjähriges Exemplar erste Borkenbildung als Charakteristikum eines „erwachsenen“ Baumes erkennen lässt.

Kultivierung und Gestaltung der Föhre als Bonsai:

Standort: Die Waldkiefer benötigt einen sehr hellen, sonnigen Standort ganzjährig im Freien. Ein Winterschutz ist bei mir im Garten unnötig, ebensowenig Beschattung im Hochsommer, jedenfalls sofern ausreichend gewässert wird. Die Überwinterung kurz gefasst: Im Herbst einfach alles am gewohnten Standort stehen und liegen lassen und gut. Schutzmassnahmen wie das Aufstellen im Kalthaus sind nicht notwendig, der hellstmögliche Standort ist immer die bessere Wahl.

Substrat: Wie die meisten Koniferen in der Bonsaikultivierung eignet sich für die Föhre mineralisches Substrat mit guter Drainage, der Klassiker ist hier eine Mischung aus 70% Akadama und 30% Bims in einer Körnung von 2-5 mm mit einem Zuschlag von etwa +5% Holzkohle in mittlerer Fraktion (die Holzkohle hält den PH-Wert im Substrat konstanter und belebt offenbar die Mykorrhiza, den Symbiosepilz der im Zusammenspiel mit dem Wurzelwerk steht, der den Kiefern eigen und sehr förderlich ist). Die Akadama-Bims Mischung fördert über Jahre hinweg die Ausbildung eines feinverzweigten Kernballens der beim Umtopfen erhalten bleibt und den Umpflanzschock damit drastisch reduziert. Dies ist besonders bei älteren Exemplaren von grösstem Vorteil und reduziert den Stress für den Baum und den Kultivator gleichermaßen. 
Es gibt zum vergleichweise kostspieligen, importierten Akadama durchaus Alternativen. Ich bin mir aber nach langen Jahren der Kiefernkultivierung sicher, dass Akadama-Bims einen wirklich gangbaren Weg darstellt, es steht jedoch Jedermann frei hier zu experimentieren. Ich gebe hier aber noch zu bedenken, dass die beste Alternative nichts taugt wenn der Baum dann beim Umtopfen zu Grunde geht oder sehr leidet.

Umtopfen: Das Umtopfen mit Wurzelschnitt erfolgt am Besten im mittleren Frühling, sobald die Knospen sich zu regen beginnen, die Kiefer sollte dann vorübergehend (etwa 2 Wochen bzw. bis wieder Zuwachs zu sehen ist) halbschattig und windgeschützt gestellt werden. Es ist generell und besonders in der kritischen Anwachsphase sehr vorteilhaft wenn das Substrat nach dem gründlichen Angiessen immer wieder etwas abtrocknen kann, es kann daher notwendig sein bei Dauerregen den Baum nach dem Umtopfen vor übermässiger Nässe zu schützen. Bei anhaltender Trockenheit hingegen hat sich das regelmässige Übersprühen sowie das Wässern der Umgebung des Standorts, zur Erhöhung der Luftfeuchte, sehr bewährt.


Mykorrhiza: Die Waldkiefer lebt in Symbiose mit dem Myzeliengeflecht von Pilzen. Diese Mykorrhiza (griech. Mykes= Pilz, Rhiza= Wurzel) ist bei dieser Art besonders ausgeprägt und in der Regel ein sehr gutes Zeichen mit vielen Vorteilen für den Baum: Das Myzeliengeflecht des Pilzes geht eine Verbindung mit dem Feinwurzelsystem des Baumes ein und versogt diesen mit Mineralien und Feuchtigkeit die das Myzel effizient aufschliessen kann, mehr davon als selbst benötigt, während seinerseits der Pilz von den überschüssigen Kohlehydraten (Zucker) profitiert die der Baum durch Asimilation gewinnt und bis in die Wurzelspitzen transportiert (Pilze sind nicht in der Lage Kohlenhydrate zu produzieren und immer abhängig von anderen Quellen), somit eine perfekte "win-win" Situation die auch die eine oder andere "Durststrecke" für den Baum abmildern kann und durchaus als eine Art Lebensversicherung angesehen werden kann, besonders wenn die Kultivierung mal nicht ganz perfekt sein sollte.
Auch in der Bonsaischale zeigt sich oft ein sehr gut ausgeprägtes Myzel das ein wenig an Zuckerwatte erinnert und keinesfalls entfernt werden sollte, ganz im Gegenteil: Es bietet sich sogar an, Myzelien während des Umtopfvorgangs dem frischen Substrat beizugeben um diesen Prozess in Gang zu setzen.
Es ist erstaunlich, dass diese Myzelien auch mit den widrigen Bedingungen der Bonsaischale gut zurecht kommen (Hitze im Sommer, tiefer Dauerfrost im Winter), solange das Substrat gut durchlässig ist und keine Staunässe entstehen kann, somit ein weiterer wichtiger Grund für die Verwendung der o. g. mineralischen Substrate sowie organischer Düngung, da hohe Gaben mineralischen Düngers die Myzelien schädigen können. Erfahrungsgemäss dominieren bei gesunden und wüchsigen Bäumen die symbiotischen Pilarten, Schadpilze sind bei mir bislang nicht unter diesen Umständen aufgetreten zumal diese ohnehin auf abgestorbenes, rottendes Holz bzw. auf stark geschädigte, geschwächte, abgängige Pflanzen spezialisiert sind.

Düngung: Es eignen sich -unter Verwendung von mineralischem Substrat- alle gängigen organischen Bonsaidünger sowie auch preiswerte organische Varianten aus dem Gartenfachhandel, hier ist lediglich zu beachten, dass der Dünger generell für Koniferen geeignet ist (Koniferendünger ist mit einem Extrazuschlag Magnesium versehen der die Aufnahme von Eisen begünstigt und somit Chlorose verhindert). Bei den klassischen Bonsaidüngern ist meist dieser Umstand bereits berücksichtigt.

Der Nährstoffbedarf ist bei der heimischen Föhre eher als mässig zu bezeichnen, eine eher fein dosierte Düngergabe ist ausreichend, besonders wenn sich der Baum bereits in der Verfeinerung befindet.

Wässern: Die Waldkiefer mag es besonders wenn das Substrat zwischen den Gießdurchgängen etwas abtrocknen kann, ein dauerhaft „nass“ gehaltenes Substrat wirkt auf die Wurzelentwicklung eher kontraproduktiv. Man muss sich jedoch auch keine Sorgen machen wenn einige Tage Dauerregen das Abtrocknen verhindern, sofern das Substrat anschliessend wieder „aufatmen“ kann.

Generell muss die Ansammlung von überschüssigem mineralisiertem Dünger im Substrat vermieden werden, beim gründlichen Gießen sollte das Substrat also immer durchspült, evtl. überschüssige Nährstoffe bereinigt werden und dadurch auch belüftet werden. Dauerhaft oberflächliches Wässern ist daher nicht zu empfehlen.

Schädlinge / Krankheiten: Die Waldkiefer wird gelegentlich von Wollläusen am frischen Austrieb im Mai heimgesucht, dieses Malheur ist jedoch durch die handelsüblichen Insektize gut in den Griff zu bekommen, auch in der Feldkultur tritt dieser Befall manchmal auf, ich konnte jedoch beobachten, dass dieser im Sommer, auch unbehandelt, allmählich von selbst abklingt, die Schäden hielten sich bislang in engen Grenzen. 
Bei jungen Bäumen, bis ca. zum 7. Lebensjahr, konnte ich mehrfach einen partiellen Raupenbefall beobachten, diesen jedoch problemlos durch einfaches Absammeln bekämpfen. Da diese Raupenart recht auffällig in einem großen, leicht orangefarbenen, somit gut erkennbaren Gespinst auftritt, ist das Absammeln recht einfach, allerdings sind bei spätem Absammeln bereits Schäden an der frischen Benadelung zu sehen, dies zeitigt aber kaum nachhaltige Schäden, lediglich eine vorübergehende Schwächung. 
Eine allgemein gefürchtete Krankheit der Föhre ist die sogennante Kiefernschütte, diese wird durch die aggressive Pilzart Lophodermium seditiosum verursacht. Das Tückische an der Kiefernschütte ist, dass der Befall bereits im Herbst entsteht, jedoch in diesem Stadium kaum erkennbar ist: Es bilden sich Sporenlager an alten Nadeln am Baum sowie an abgefallenen Nadeln am Boden. Erst im zeitigen Frühling dringen die Sporen bis zum gesunden Laub vor, der Befall zeigt sich dann durch umfangreichen Nadelabwurf der den gesamten Baum gefährdet da ohne ausreichend Grünmasse der Saftzug zusammenbrechen kann bevor der frische Austrieb die neue Führung übernimmt. Auch wenn der Neutrieb noch rechtzeitig den Saftzug aufrechthalten konnte, kann auch dieser noch im Sommer befallen werden, was dann endgültig eine existenzielle Bedrohung darstellt. Glücklicherweise konnte ich die Kiefernschütte im Garten – und auch in den unmittelbar umliegenden Forsten - bislang nicht beobachten. Präventiv kann hier eine Fungizidspritzung im Spätsommer vorgenommen werden, ich habe bisher darauf verzichtet da diese zudem eher selten auftritt.
Insgesamt jedoch gehört die Waldkiefer aber zu den recht robusten Arten zur Bonsaikultivierung die auch den ein oder anderen „Angriff“ nicht gleich mit Totalausfall quittiert, wenn auch hier ein achtsames Auge nicht schadet.

Gestaltung: Die Waldkiefer ist praktisch für alle Bonsai-Stilformen geeignet, es sollte jedoch die Veranlagung des einzelnen Baumes berücksichtigt werden: Kiefern neigen zu einer enormen genetischen Streuung, selbst wenn das verwendete Saatgut von ein und derselben Mutterpflanze stammt. Manche Exemplare neigen wenig zur Stammverdickung und sind als schlanke Formen daher bestens zur Gestaltung als Literat (Bunjin) geeignet. Andere Individuen verdicken sich auffallend schnell und können für nahezu alle anderen Formen verwendet werden. Die Exemplare mit starker Astbildung im unteren Bereich des Stammes könnnen auch für kleine, kompakte Shohin-Formen ideal sein.

Meine grundlegende Empfehlung: Nicht dem Baum die Bonsaiform aufdiktieren zu wollen, sondern sich von der Veranlagung des Baumes leiten zu lassen, führt im Endergebnis zu viel natürlicheren Formen und erspart auch viel Arbeit und manchen Frust.


Tipp: Die Literatenform (Bunjin), aber auch die Kaskadenform kommen einer besonderen Eigenschaft der Föhre sehr entgegen: Der (gut kultivierte) Baum ist in der Lage auch weit herabhängende Äste, die charakteristisch für diese Gestaltungform sind, vital zu halten sofern genügend Licht Luft und Sonne in diesen Bereich einwirken können.

Beschneiden und Drahten: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei reiferen Bäumen der diesjährige Austrieb am Besten auf einen Rückschnitt im Spätsommer, etwa in der ersten Augusthälfte reagiert, dies immer unter Berücksichtigung des aktuellen Witterungsverlaufs, also bei anhaltend starker Hitze ggf. etwas später schneiden. Voraussetzung für den Schnitt des Neutriebs ist natürlich die Wüchsigkeit des Baumes und das Vorhandensein von vitaler Benadelung des Vorjahres. Geschwächte Bäume sollten grundsätzlich besser unbearbeitet gelassen werden.

Durch den Rückschnitt des neuen Austriebs werden Verzweigung und Rückknospung angeregt, die neuen Knospen zeigen sich dann nach 4-6 Wochen, anschließend ergibt sich ein günstiger Zeitpunkt zum Drahten und Biegen: Die beim stärkeren Biegen entstehenden kleineren Blessuren sowie der veränderte Saftzug können vom Baum noch innerhalb der restlichen Vegetationsperiode verarbeitet werden da noch einige Wochen Zeit bis zum ersten nennenswerten Frost bleibt. Da ältere Bäume geraume Zeit benötigen um ihre Biegungen zu stabilisieren, kann hier die Ausreifung im Herbst und über Winter bestens genutzt werden um die Biegungen zu stabilisieren, es braucht dann erst im kommenden Sommer ausgedrahtet zu werden, also erst wenn es durch den neuen Zuwachs nötig wird das Einwachsen des Drahtes zu verhindern. Ich konnte im Rahmen des beschriebenen Timings noch nie irgendwelche Schädigungen durch den über Winter am Baum belassenen Draht feststellen.

Die genannte Geschmeidigkeit ermöglicht bei noch jungen Exemplaren das Gestalten von abstrakten, geradezu verschlungenen Formen. Das extreme Biegen fällt hier aber am Besten in die Zeit des neuen Austriebs im Mai/Juni und bezieht sich auf jüngere Bäume bis zu einem Alter von etwa 5-6 Jahren. Bereits nach rund zwei Monaten halten die Biegungen dann schon erstaunlich gut, es kann dann bereits wieder entdrahtet werden sofern der Zuwachs dies notwendig macht. Sollte trotz der Geschmeidigkeit des Holzes mal ein Ast anbrechen (gilt auch für ältere Exemplare), verheilen diese Brüche gut innerhalb einer Vegetationsperiode sofern diese sachgerecht „verarztet“ werden, also keine Panik wenn es doch mal knacksen sollte.
Auch ältere Stämme und Äste sind oft noch erstaunlich biegefähig sofern diese gut bandagiert werden, wenn auch nicht ganz so drastische Biegungen erzielt werden können wie das bei jüngerem Material der Fall ist.

Prädikat: Die Waldkiefer gehört zu den am Besten für Bonsaizwecke geeigneten Arten in Deutschland und Mitteleuropa. Die gute Gestaltbarkeit, in Zusammenhang mit sehr guter Hitze- und Frostverträglichkeit sowie der eher mässige Wasserbedarf, sind geradezu ideale Eigenschaften für die Bonsaikultivierung. Ältere Exemplare können sehr charakterstark werden, auch besteht hierzu immer noch die Möglichkeit auf legalem Wege gutes, durchaus bezahlbares Yamadori-Ausgangsmaterial ausfindig zu machen. Die Anzucht aus Samen, wenn auch gerne belächelt, verspricht hier innerhalb von bereits zehn Jahren erste durchaus vorzeigbare Bäumchen, besonders wenn die zwischenzeitliche Möglichkeit zur Feldkultur besteht.

Ende des redaktionellen Teils