Bwoom-Japan
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Redaktioneller, privater Inhalt:

Die Winterlinde als Bonsai
(Tilia Cordata), auch Steinlinde, Herzblattlinde:

Steckbrief der Winterlinde:

Die Winterlinde ist ein einheimisches, sommergrünes Gehölz das über weite Teile Europas, bis nach Sibirien verbreitet ist, lediglich im südlichen Mittelmeerraum ist die Linde nicht anzutreffen. Die Winterlinde kann mit bis über 30 Metern recht gross werden und erreicht zuweilen ein enormes Alter von über 1000 Jahren, auch der Stamm kann sich bei sehr alten Exemplaren auf mehrere Meter Durchmesser entwickeln. Attraktiv ist auch die Rinde bzw. Borke die in Jungen Jahren recht unscheinbar glatt sich mit der Zeit charakterstark entwickelt und dann immer stärker gefurcht erscheint. Das Laub der Linde ist herzförmig und zeigt das typische Lindgrün welches als ausgesprochen attraktiv empfunden wird, alle genannten Eigenschaften haben in der altdeutschen Mythologie den Baum zu einer Art religiöser Verklärung verholfen, die Linde war einst der germanischen Göttin Freya gewidmet, später dann der Jungfrau Maria. Gerne wurde die Linde allgemein auch als Baum der Liebenden romantisch verklärt, wohl auch wegen der herzförmigen Blätter: In lauer Sommernacht fand einst so manches Liebespaar auf der Bank unter der Dorflinde für immer zusammen, ein schöner Brauch der jedoch in Zeiten von Datingplattformnen ins Hintertreffen geraten ist.

Anm.: Neben der Winterlinde kommt auch die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) häufig in Europa vor, wenn auch insgesamt weniger weitläufig gegenüber der Winterlinde. Die Eigenschaft der grösseren Blattbildung in Kombination der ständigen Schossbildung an der Stammbasis, lassen diese Art gegenüber der Winterlinde für Bonsaizwecke etwas in den Hintergrund treten, obwohl hier sicher auch interessante Exemplare zu finden sein mögen.

Die Winterlinde zur Kultivierung als Bonsai:

Standort: Die Linde sollte einen möglichst hellen, eher sonnigen Standort haben wobei sommers raue Lagen weniger zusagen, in der Wachstumszeit wird generell ein wärmerer Standort bevorzugt.

Überwinterung: Die heimische Winterlinde ist bei mir gut frosthart und wird lediglich an einem windgeschützten Platz auf dem Boden abgestellt und ohne weitere Schutzmassnahmen im Garten überwintert.

Umtopfen: Die Linde sollte am Besten im Frühling, kurz vor Austrieb bei schwellenden Knospen, neu getopft werden. Dieser Zeitpunkt ist optimal, besonders wenn der Wurzelbereich kräftig eingekürzt wird da die im Wurzelsystem über Winter gespeicherten Wachstumshormone bereits wieder freigesetzt wurden und dem Baum somit auch nach dem Wurzelschnitt sofort zur Verfügung stehen, zu einem früheren Zeitpunkt würden ansonsten die in den Wurzeln gespeicherten Hormone mit „weggeschnitten“ werden. Die Linde verträgt dann auch stärkere Wurzelschnitte recht gut, ebenso das Auskämmen bzw. das Ausspülen des alten Substrats. Anschliessend muss der Baum jedoch unbedingt schattig, windgeschützt und frostfrei gestellt werden, hier gibt es nach dem Umtopfen mit starkem Wurzelschnitt wenig Toleranzen.

Substrat: Als Substrat bietet sich ein mineralisches Gemisch aus Akadama an, die Linde mag gerne lehmhaltiges Substrat das zusätzlich mit etwas humosem Substrat, z. B. Torfersatz versetzt sein darf. Die Verwendung von Akadama bietet eine recht gute Wasserspeicherung was der durstigen Linde entgegen kommt. Die Verwendung von mit Torf angereichertem Blähtongranulat ist ebenso möglich und vor allem während der Anzucht in grossen Schalen praktikabel; sobald der Baum in der kompakten Bonsaischale kultviert wird, ist allerdings, auch aus wässerungstechnischen Gründen, Akadama die bessere Wahl.

Düngung: Es eignen sich durchaus -unter Verwendung von überwiegend mineralischem Substrat- praktisch alle gängigen organischen Bonsaidünger, ebenso organische Volldünger aus dem Gartenfachhandel, wobei die Bedarfsmenge, gemäss der Wüchsigkeit dieser Art, als relativ hoch zu bezeichnen ist. Da diese Art wenig salztolerant ist, kann mineralischer Dünger hier nicht empfohlen werden.

Wässern: Die Winterlinde hat während der Vegetationszeit einen relatv hohen Wasserbedarf und sollte dabei nicht mit stark kalkhaltigem Wasser gegossen werden, Regenwasser ist hier die erste Wahl. Vorsicht vor schleichender Ballentrockenheit bei anhaltend regenarmer Witterung.

Schädlinge / Krankheiten: Die Linde zeigt gelegentlich Befall von Gallwespen und Läusen die jedoch uneinheitlich auftreten, nicht alle Bäume werden befallen. Hier empfielt sich die konsequente Anwendung von handelsüblichen Pflanzenschutzmitteln die nach Packungsbeilage zu dosieren sind und das Problem dann recht bald beheben. Präventiv sind aber auch biologische Schädlingsbekämpfungsmittel ratsam, diese sollten jedoch nicht bei fortgeschrittenem Befall verwendet werden da deren Wirksamkeit sich oft zu schwach bzw. verzögert zeigt, was zu einer unnötigen Schwächung des Baumes führen kann.

Hinweis: Als Besonderheit zeigt die Winterlinde an den Blattunterseiten in den Gabelungen der Äderung hellen "pelzigen" Bewuchs der dem Läusebefall sehr ähnelt, man sollte hier genau hinsehen, denn diese Aufwüchse sind normal und arttypisch.

Gestaltung: Die Gestaltung durch drahten und biegen ist gut möglich, oft auch noch an mehrjährigem Holz, das Holz der Linde ist recht weich und bricht nicht so leicht. Die Winterlinde hat die Eigenschaft aus dem alten Holz, auch aus dem Stamm neue Knospen zu entwickeln, was der Gestaltung sehr entgegen kommt, somit kann ein fehlender Ast oft aus Rückknospen neu aufgebaut werden, ebenso können schlecht positionierte Äste durch Äste aus besser positionierten Knospen ersetzt werden. Diese Art ist dabei schnittverträglich und zudem auch recht gut abzumoosen, was so manchem nichtssagenden Rohling dann agnz neue Perspektiven eröffnet.

Prädikat: Die robuste und recht gut winterharte Winterlinde gehört zu den besonders gut für Bonsaizwecke geeigneten Arten in Deutschland und Mitteleuropa: Diese Art zeigt sich gut schnittverträglich und treibt hernach an allen möglichen und auch unmöglichen Stellen willig neu aus. Die Winterlinde mag noch reichlich Potential als Bonsai in Europa haben zumal sehr alte, knorrige Bäume, die ihren vollen Charakter entfaltet haben, als Bonsai noch recht selten sind.

Ende des redaktionellen Teils